So schilderten die drei Podiumsteilnehmer zunächst in eigenen Statements ihre Gedanken. Dr. Jan Schildmann von der Ruhr-Uni Bochum machte als Medizin-Ethiker den Anfang und klärte das Publikum zunächst über die allgemeine Rechtslage auf. Er stellte die rechtliche Situation der passiven und aktiven Sterbehilfe ebenso dar wie die vieldiskutierte ärztliche Beihilfe zum Suizid. Er bewies anhand einer eigenen Studie aus 2010, dass Sterbehilfe häufig und vielfältig sei, auch in der Palliativmedizin. Er betonte, dass es seiner Meinung nach kein ethisch "unproblematisches ärztliches Handeln" in der letzten Lebensphase gäbe.
Fritz-Ulrich Kewer, niedergelassener Internist und Palliativmediziner aus Heessen, eröffnete seinerseits die Diskussion mit der Erkenntnis, dass "wir in der Medizin heute viel tun - aber auch viel antun können". Er machte das medizinische Dilemma damit sehr deutlich. Für ihn sei der Umgang mit dem Lebensende oft eine Frage des Loslassens. Er warb für das Instrument der Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht. "Dafür ist es nie zu früh" warf er in die Runde und auf Nachfrage zeigte sich, dass zwar bereits einige im Publikum entsprechend vorgesorgt haben, aber längst nicht die meisten über ein solches Dokument verfügen.
Erhand Nierhaus, der ehemalige Superintendent des Kirchenkreises Hamm und amtierender Aufsichtsratsvorsitzender der "Christliches Hospiz Hamm gGmbH" rüttelte auf mit einer Fragestellung, die sich aufdränge, wenn Patienten eine Behandlung am Lebensende ablehnen. "Keine weitere Operation, keine weitere Chemotherapie - aber was ist dann?" so sein Statement. "Wer bestimmt eigentlich über meinen Tod? Ich selbst? Wenn nicht ich, wer dann? Die Gesellschaft mit ihren Wertvorstellungen? Muss ich mich danach richten? Oder ist Gott derjenige, der am Ende bestimmt?" Was verbindet man aufgrund seiner Prägung an ganz persönlichen Ängsten und Hoffnungen mit dem eigenen Tod?
Es entspannte sich unter der Moderation von Kerstin Schade (Radio Lippewelle) eine angeregte, teils emotionale Diskussion, die auch von den Beiträgen aus dem Publikum profitierte. Vieles kam zur Sprache, manches jedoch blieb auch aufgrund der Kürze der Zeit unerwähnt.
Klar war nach 90 Minuten, dass die Palliativmedizin am Lebensende vieler Menschen segensreich wirkt. "Wenn wir dies alles gewußt hätten, als unsere Tante so schwer krank wurde, dann hätte sie nicht so sehr leiden müssen," war die bittere Erkenntnis einer Besucherin. Klar war auch, dass die Palliativmedizin noch immer ein Schattendasein in der modernen Medizin führt. Und dies müsse sich, so waren sich alle Podiumsteilnehmer einig, unbedingt ändern. Dies könne nur die Politik bewirken. Doch dazu beitragen, dass sich etwas in unserer Gesellschaft bewegt, das könne jeder, so Nierhaus. "Aktivieren Sie ihren Landtags- oder Bundestagsabgeordneten, sprechen Sie dies im persönlichen Umfeld immer wieder an und unterstützen Sie unsere Bewegung - auch indem Sie <link internal-link>Mitglied in unserem Förderverein werden" riet er dem Publikum. Denn der Mitgliedsbeitrag sei nur das Eine, die Vielzahl der Menschen aber, die die Hospizbewegung trägt, sei das andere - wenn nicht das Wichtigere!
Jahreshauptversammlung 2011
Der Podiumsdiskussion war die Jahreshauptversammlung des <link internal-link>Fördervereins vorausgegangen. Vor knapp 80 Mitgliedern rief der Vorsitzende, Thomas Hunsteger-Petermann noch einmal wichtige Stationen und Daten aus der nunmehr zwölfjährigen Arbeit des Fördervereins in Erinnerung, ließ die <link internal-link>erste Hammer Hospizwoche Revue passieren und bedankt sich bei allen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden und den Mitgliedern des Vereins für ihr Mittun und Mitdenken.
Im Anschluss an den Vorsitzenden stellte <link internal-link>Marion Kleditzsch Zahlen und Fakten über die Entwicklung in Verein und gGmbH vor. Ebenso berichtet sie über den Stand des Anbaus, der planmäßig Anfang 2012 in Betrieb genommen werden kann.