Vom Umgang mit dem assistierten Suizid
Ein Positionspapier des ambulanten und stationären Hospizes Hamm
Hier erhalten Sie unser Positionspapier zum Download:
Positionspapier §217
Der Ambulante Hospizdienst und das stationäre Hospiz in Hamm begleiten Menschen in der letzten Lebensphase. Dazu orientieren wir uns an den christlichen Wertvorstellungen mit einer palliativ-hospizlichen Haltung.
Der Gedanke der Hospizbewegung setzt auf das Angebot der Unterstützung bis zum Lebensende und das Angebot, Trauernden einen Raum zu geben.
Wir sind in der Begleitung und Unterstützung schwerstkranker und sterbender Menschen stets mit dynamischen Krankheitsverläufen konfrontiert, in denen Krisen mit hoffnungsvoller Zuversicht abwechseln.
Im hospizlichen Kontext ist die Ambivalenz zwischen selbstbestimmten Bedürfnissen und dem Wunsch nach Schutz und Fürsorge immer präsent.
Beziehungen als Raum des Vertrauens anzubieten, das mitfühlende Reflektieren der eigenen Rolle einzubringen, das Mitgehen bei der Entscheidungsfindung im multiprofessionellen Team zu nutzen – das ist unsere Sache, der Kern unserer hospizlichen Arbeit.
- Im Zentrum stehen die Bedürfnisse, Wünsche und Vorstellungen von Betroffenen und deren Angehörigen für ein Sterben in Würde. Wir erkennen die Werte und Vorstellungen des Einzelnen an, auch wenn sie unseren eigenen Wertvorstellungen widersprechen.
- Im hospizlichen Rahmen schaffen wir Bedingungen, um ein selbstbestimmtes Leben und Sterben zu ermöglichen. Selbstbestimmung und Autonomie stehen für uns im Kontext des sozialen Bezugssystems und der Fürsorge um die Menschen.
- Wir haben den Anspruch, eine bestmögliche Hospizversorgung hospizliche Versorgung umzusetzen, multiprofessionelle Zusammenarbeit zu pflegen und Kontakte zu weiteren Unterstützungsangeboten zu eröffnen.
- In der Auseinandersetzung mit Sterben und Tod nehmen wir die Sterbewünsche und auch Suizidwünsche ernst und tabuisieren sie nicht. Es geht darum, eine Atmosphäre zu schaffen, in der diese ausgesprochen werden dürfen. Dabei gehen wir davon aus, dass Sterbewünsche nicht primär Suizidwünsche sind, sondern vorrangig Ausdruck existentieller Not sein können.
- Wir sehen uns in der Pflicht, Menschen in ihrer getroffenen Entscheidung ernst zu nehmen, im Dialog zu bleiben und sie pflegerisch, psychosozial, spirituell /seelsorgerisch zu begleiten.
- Die Äußerung eines Wunsches nach assistiertem Suizid ist kein Grund, eine Begleitung zu beenden. Wir suchen gemeinsam Alternativen und bieten Möglichkeiten an, um z.B. bei quälenden körperlichen und psychischen Symptomen sowie sozialem und spirituellem Leid zu entlasten.
- Wir begleiten beim Sterben, helfen aber keinesfalls bei der Selbsttötung. Wir vermitteln weder Kontakte zu Sterbehilfe-Organisationen noch zu Personen, die Sterbehilfe anbieten. Wir werben nicht für Sterbehilfeangebote.
- Im Einzelfall ist, nach erfolgter Beratung und in Wahrung der trägerweiten Instrumente (z. B. ethische Fallbesprechungen) die Begleitung eines Menschen, der einen solchen Weg für sich wählt, vorstellbar. Es geht ausschließlich um die Begleitung von Menschen im Sinne der Hospizbewegung. Es geht nicht um die Beschaffung von Medikamenten, o.a.m.
- Ehrenamtlich oder hauptamtlich tätige Mitarbeitende können zu keiner Zeit dazu verpflichtet werden, eine Begleitung bei der Durchführung eines assistierten Suizides zu übernehmen oder fortzuführen.
- Wir lassen unsere Mitarbeiter in dieser Situation nicht allein. In Supervisionen, ethischen Fallbesprechungen, Fortbildungen und in der kollegialen Begleitung unterstützen wir unsere Kollegen, damit sie begleitete Menschen stärken, beraten und wertschätzen und reflektiert mit der Situation umgehen können.
Unser aktuell schriftlich niedergelegtes Statement spiegelt unsere aktuelle Haltung zum assistierten Suizid. Um unsere Bereitschaft und Offenheit zu diesem Thema auszudrücken, werden wir uns weiterhin an der Diskussion zu diesem Thema beteiligen und dieses Positionspapier regelmäßig (1x jährlich) überdenken.