Die Hospize in Westfalen und Lippe schlagen gemeinsam Alarm. Weil seit Monaten die Vergütungsverhandlungen mit den Krankenkassen stocken, sehen sie die ausreichende Finanzierung ihrer Arbeit gefährdet. Die angebotenen Vergütungsätze sind viel zu gering, um eine angemessene Finanzierung der Hospizarbeit zu gewährleisten. Stattdessen müssen die Hospize einen immer größeren Teil ihrer Kosten durch Spenden decken. Nun soll eine unabhängige Schiedsperson angerufen werden, um eine nachhaltige Finanzierung der stationären Sterbebegleitung zu erreichen.
Von den 25 in Westfalen und Lippe arbeitenden Hospizes konnten nach einem Jahr Verhandlung bislang nur zwei Häuser ein Ergebnis erzielen. Ein Drittel der Häuser, so auch das Hammer Hospiz, haben bislang noch nicht einmal ein Angebot seitens der Kassen vorliegen.
„Die momentane Situation ist absolut unbefriedigend“ so Hospiz-Geschäftsführer Wilhelm Hinkelmann. „Unser Hospiz benötigt eine verlässliche Finanzierung, damit wir unsere Gäste angemessen und mit hoher Qualität versorgen können“ fügt Hausleitung Regina Lorenz an.
Der Rahmen zur Finanzierung von stationären Hospizen ist gesetzlich klar geregelt. 90 % der Kosten sollen von den Kranken- bzw. Pflegekassen und nur 10 % durch Eigenmittel, wie z.B. Spenden, aufgebracht werden.
Die Realität sieht jedoch anders aus. Das Hammer Hospiz erhält einen Pflegesetz von täglich 236,20 Euro bei sechs Betten, dies entspricht in etwa dem durchschnittlichen Pflegesatz in Westfalen von 235 Euro. Per Gesetz sind 23 Euro davon als Eigenanteil von der Einrichtung aufzubringen, tatsächlich muss das Hammer Hospiz jedoch ca. 75 Euro täglich „frei finanzieren“, um die Kosten zu decken. So entstehen 150.000 bis 200.000 Euro, die jährlich anfallen. „Wenn man dazu noch die in 2010 um rund 3 % gestiegenen Personalkosten berücksichtigt, dann kann man leicht ausrechnen, wie hoch der Eigenanteil zukünftig noch steigen wird“, schätzt Hinkelmann die Situation als angespannt an. „Ganz zu schweigen von Investitionen, die in Hospizes ständig anfallen. Grundsätzlich werden diese gar nicht durch die Kostenträger übernommen. „Wir hier in Hamm bauen zurzeit an, um u.a. die Bettenkapazität auszuweiten und die langen Wartelisten abzubauen. Wir freuen uns zwar, dass dieser Anbau bereits heute komplett über zweckgebundene Spenden finanziert ist, aber das nimmt uns nicht die Sorge um die laufenden Investitionen, die erforderlich sind“.
Alles in allem ist die Lage der Hospize in Westfalen und Lippe im Vergleich zu anderen westdeutschen Bundesländern besonders angespannt. „Unser Ziel ist gar nicht die Vollfinanzierung unserer Kosten“ sind sich Hinkelmann und Lorenz einig. „Wir wären jedoch sehr froh, wenn es – so wie im Gesetz vorgegeben – bei der 10% Eigenfinanzierung bliebe. Eine weitere strukturierte Unterfinanzierung von 20 bis 30 % bringt jedoch viele Einrichtungen, so auch die in Hamm, an den Rand ihrer wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und das kann niemand wollen“ fügt der Geschäftsführer mit Nachdruck an. „Die Kassen müssen auch endlich eine ausreichende Personalausstattung unseres Hospizes akzeptieren“ spricht Regina Lorenz noch ein weiteres „heißes Eisen“ an. Wir in Hamm haben je Bett 1,35 Pflegekräfte je Gast beschäftigt – bei einer Auslastung von 96 % in 2010.
Wilhelm Hinkelmann schließt sich grundsätzlich der Forderung der Arbeitsgemeinschaft der stationären Hospizes Westfalen und Lippe an, die eine Neubewertung der Personalausstattung ins Spiel bringt.
Da aus Sicht der Hospize der bisherige Verhandlungsweg keinerlei Fortschritte gebracht hat, will man nun eine unabhängige Schiedspersonen anrufen. „Das liegt daran, dass nicht nur die Frage der ausreichenden Vergütung strittig ist, sondern dass wir zudem die Verhandlungen neuer Vergütungsvereinbarungen als gescheitert ansehen“ appellieren Wilhelm Hinkelmann und Regina Lorenz gemeinsam mit dem Hospiz- und Palliativverband an die Kostenträger. „Die Arbeitsgemeinschaft wird in den nächsten Tagen eine Schiedsperson vorschlagen und wir hoffen, dass es dann zu einer tragfähigen Lösung kommen wird.“
Das Christliche Hospiz „Am Roten Läppchen“ hat 6 Betten und bei einer durchschnittlicher Auslastung von 99 % konnte es in 2010 100 Gäste in Würde ein „Leben bis zuletzt“ ermöglichen.