Von den Anfangs 8 Begleitern sind heute noch fünf aktiv. Zu den Initiatoren gehören Beate Drolshagen, die hauptamtlich als Krankenschwester im <link internal-link>Stationären Hospiz „Am Roten Läppchen“ arbeitet, und Eva-Regina Kuhn. Beiden obliegt die Leitung des <link internal-link>Trauercafés. Mit sieben weiteren <link internal-link>Trauerbegleitern bilden sie das Trauercafé-Team.
„Manchmal kommen Menschen zu uns, denen man ihre Trauer förmlich ansieht“ erzählt Beate Drolshagen „Körperhaltung und Mimik sind oft unmissverständlich. Viele kleiden sich auch auffällig dunkel und sprechen nur leise. Manchen fällt der Zutritt ins Fachwerkhaus dann auch unglaublich schwer. Die Schwelle zum <link internal-link>Trauercafé zu überschreiten ist für viele ein Kraftakt“ fügt Eva-Regina Kuhn an, die wie Beate Drolshagen von Anfang an ehrenamtlich im Trauercafe mitarbeitet. „Wir helfen den Menschen darum, hier anzukommen, begrüßen sie schon vor der Tür und heißen sie willkommen. Das hilft den meisten.“
„Viele Teilnehmer danken uns am Ende und sagen, dass ihnen der Nachmittag mit und bei uns gut getan hat und sie sich deutlich leichter fühlen. Das macht uns froh und zeigt uns, dass das Trauercafé Sinn macht“ fügt Rolf Marquardt, der einzige Mann im Team, noch an.
Gefragt nach dem Geheimnis des Erfolgs schauen sich alle Begleiter fragend an. „Anscheinend sind wir mit unserem offenen Gesprächsangebot genau das, was Trauernde brauchen“ sinniert Eva-Regina Kuhn und formuliert das, was alle denken. „Bei jedem Treffen sind drei Trauerbegleiter anwesend und moderieren den Nachmittag. Wir hören zu, leihen den Besuchern auch schon mal eine Schulter zum Ausweinen und vor allem sagen wir ihnen, dass Trauer keine Krankheit ist“ erzählt Beate Drolshagen. „Eine Dame war mal da und hatte Angst, nicht normal zu sein. Zumindest redete das Umfeld ihr ein, dass ihre Trauer nun nach sechs Monaten doch so langsam vorbei sein müsse“ erzählt Christine Böttcher von einer Begegnung. "Als wir ihr sagten, dass sie keineswegs krank , sondern Trauer ein normaler Zustand nach einem schmerzlichen Verlust sei, entspannte die Besucherin zusehends." Es gibt keine Vorgaben, wie lange oder wie intensiv eine Trauer zu sein hat und selbst nach Jahren könne ein verarbeitet geglaubter Verlust wieder aufbrechen, ist die Erfahrung der Ehrenamtlichen.
Trauer ist keine Krankheit
"Wir haben in unserer Ausbildung zum Trauerbegleiter gelernt, dass jeder Mensch so individuell wie er ist auch trauert. Und diese Erkenntnis den oft verzweifelten Besuchern weiterzugeben ist für manchen eine wichtige Hilfe." „Dann bin ich ja doch nicht krank“ ist bei manchem die Schlussfolgerung und einige kommen nach einmaligem Besuch des Trauercafés auch nicht wieder. „Das ist gut so und ganz in unserem Sinne“ so Beate Drolshagen. „Andere wiederum merken, dass ihnen der Austausch hier mit ebenfalls Trauernden gut tut und die Treffen wie eine Selbsthilfegruppe funktionieren. Diese Menschen kommen eine längere Zeit zu uns und finden dann aber irgendwann wieder Kraft und Stärke für einen neuen Anfang.
„Und das ist das Ziel unseres Trauercafés“ fügt Eva-Regina Kuhn noch an. „Wir wollen den Menschen Hoffnung geben. Dass es zwar nie mehr wird wie es war, dass aber alles wieder gut werden kann ist ein zutreffender Satz. Und so haben wir es oft auch schon erlebt“ schmunzelt auch Anneliese Kistella, die ebenfalls von Anfang an dabei ist. „Es haben sich auch bei uns im Trauercafé schon manche Freundschaften gebildet. Weil eine ähnliche Situation Menschen zusammenschmiedet. Oder weil einfach nur Sympathie da ist.“ Und manchmal wurde aus Sympathie auch mehr, freuen sich alle Trauerbegleiter und erzählen von Beziehungen, die im Trauercafé ihren Anfang nahmen. „Das funktioniert hier dann ähnlich wie auf dem Friedhof“ bemerkt Rolf Marquardt.
Ehrenamtliche sind unersätzlich
Rückschauend kann man heute sagen, dass die Idee, trauernden Menschen einen Raum des Austausches anzubieten, wunderbar und dauerhaft funktioniert. Beate Drolshagen, die den Bedarf schon zu Beginn ihrer Tätigkeit im <link internal-link>Stationären Hospiz erkannte, hatte die Idee für ein <link internal-link>Trauercafé zeitgleich mit Dechant Booms, die seinerzeit parallel in der St. Theresia-Gemeinde nach Unterstützern für die Trauercafé-Idee suchte. Eine Handvoll Menschen fand er seinerzeit und ließ sie von Pfr. Bernhard Frankemölle, dem ersten Hospiz-Seelsorger, ausbilden. Nach einer Vorlaufzeit von etwa einem Jahr konnte dann das erste Trauercafé am 5. Mai 2005 – gut ein Jahr nach <link internal-link>Betriebsaufnahme des Stationären Hospizes – stattfinden.
„Tja und seither sind wir im Einsatz“ resümieren alle Trauerbegleiter. „Wir haben mit unserer Idee damals ein wenig Neuland betreten. Mittlerweile gibt es im näheren Umkreis viele andere ähnliche Angebote“ und man denkt an Warendorf, Lünen oder Münster. „Wir tauschen uns regelmäßig im Kollegenkreis auch überörtlich aus und können durchaus auch anderen mit unseren Erfahrungen weiterhelfen. So sind zu Papier gebrachte Konzepte und Handlungsleitfäden auch schon beispielgebend für andere Trauerkreise gewesen“ ist das Team ein wenig stolz. „Wir selbst sorgen auch dafür, dass wir uns weiterbilden. So machen wir einmal jährlich eine Fortbildung und haben in der Vergangenheit beispielsweise einen Friedwald besucht, Bestatter eingeladen oder auch andere Religionen kennengelernt“. Denn wichtig ist allen, dass ihr Trauercafé offen ist für alle Menschen, unabhängig von Glaube oder Religion.
Offen ist das Trauerbegleiter-Team übrigens auch für Interessierte, die selbst Trauernde begleiten möchten. „Wir suchen immer neue Ehrenamtliche und freuen uns über jede Kontaktaufnahme“ fügen Beate Drolshagen und Eva-Regina Kuhn an. Beide haben die Leitung des Trauercafé-Teams übernommen und sind Ansprechpartnerinnen für Interessierte. „Willkommen sind uns Menschen, die sich für Menschen interessiere. Die emphatisch sind und bereit, sich auf Themen wie Sterbe- und Trauerbegleitung einzulassen. Ein entsprechende Befähigung bieten wir dann hier vor Ort konkret an.“
Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass die Trauerbegleiter in den letzten Jahren durchaus einen Wandel in der Gesellschaft im Umgang mit dem Thema Tod und Trauer erleben. „Man wird wieder offener und aufgeschlossener. Allerdings sind wir noch lange nicht am Ziel“ sind sich alle einig. „Gerade was den Umgang mit Trauernden angeht, wünschen wir uns eine größere Akzeptanz“ bringt es Beate Drolshagen auf den Punkt. Jeden in seiner Gefühlswelt so sein zu lassen und die Trauer nicht als einen in sechs Monaten abzuarbeitenden Zustand zu sehen, wäre hilfreich. „Denn Trauer ist Ausdruck von Liebe. Die wahre Liebe, die zwei Menschen verbindet, endet nie“ ist ein Satz, den viele Trauerbegleiter unterschreiben würden. „Wir müssen uns bewusst machen, dass Trauer Teil unseres Lebens ist und wir die Erinnerung an einen geliebten Menschen immer mit uns tragen. Dass sie nicht mehr schmerzlich ist und sich irgendwann in Dankbarkeit wandeln kann, versuchen wir unseren Trauercafé-Besuchern zu vermitteln.
Einladung zur Jubiläumsfeier
Wir nehmen das 10jährige Jubiläum zum Anlass zu einer kleinen Feier. Am Sonntag, 10. Mai werden wir um 11.00 Uhr mit einer ökumensichen Andacht in der St. Annenkapelle auf dem Gelände "Am Ronten Läppchen" beginnen. Danach freuen wir uns auf eine Zusammenkunft im Erdgeschoss des Fachwerkhaues.
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Kontakt
<link internal-link>Beate Drolshagen, Eva-Regina Kuhn
Tel. 02381 54473-25 oder <link>trauer@hospiz-hamm.de