„Alle Mitarbeiter im Trauercafé sind eigentlich ein Team“ fügt sie jedoch erklärend hinzu. Allerdings gelte es, die monatlichen Teamsitzungen vorzubereiten, Fortbildungsangebote zu sichten und Vorschläge für die Monatstreffen zu erarbeiten. „Wir halten darum als Leiterinnen ein wenig die Fäden in der Hand“ sind sich Beate Drolshagen und Eva-Regina Kuhn einig.
Eva-Regina Kuhn ist allerdings kein neues Gesicht im Trauercafé – seit Jahren schon engagiert sich die Anfang Sechzigjährige bereits in der Trauerarbeit „Am Roten Läppchen“. „Nach meinem Ausscheiden aus dem Berufsleben“ erzählt die gelernte Kinderkrankenschwester „ wollte ich mich nicht zur Ruhe setzen. Aufgrund eigenen Erlebens wusste ich, wie wichtig eine gute Begleitung für Menschen, die trauern, ist. Da lag es einfach nahe, Kontakt zum Hammer Hospiz zu knüpfen“. Hier nahm man sie mit offenen Armen auf und freut sich über ihre Unterstützung auch in der Kindertrauerarbeit. Dass sie nun gemeinsam mit Beate Drolshagen die Leitung des Trauercafés übernehmen soll, ist ihr Freude und Bestätigung zugleich.
„Am Anfang und am Ende ist das Leben gleich“, sagt sie und erinnert sich an ihre beruflichen Erfahrungen als Kinderkrankenschwester auf einer Neugeborenenstation eines Hammer Krankenhauses. „Nahrungsaufnahme, Zuwendung und ganz viel Nestwärme stehen an beiden Enden an vorderster Stelle“ erzählt sie „und selbst das Aussehen von Menschen zu Beginn und zum Ende des Lebensweges gleicht sich“ hat Eva-Regina Kuhn oft beobachten können.
Unsere Aufgabe
„Unsere zentrale Aufgabe im Trauercafé ist es zuzuhören, den anderen reden zu lassen“ erzählt die agile Frau von ihrer jetzigen Arbeit. Dass viele Besucher sich überwinden müssen, wenn sie das erste Mal zu uns kommen, ist uns bewusst“ fügt sie noch an. Darum stehen sie und die anderen diensthabenden Trauer-Begleiter auch an der Eingangstür des Fachwerkhauses, um die Gäste zu begrüßen und ihnen das Ankommen zu erleichtern. „Der Verlust eines geliebten Menschen ist wie ein Erdbeben und wir empfehlen auch darum, bis zum erstmaligen Besuch unseres Trauercafés etwa acht Wochen verstreichen zu lassen.“ Auch danach sei es oft nicht einfach, sich im Trauercafé einzubringen und alle haben Verständnis, wenn Besucher zunächst nicht reden, sondern nur da sein wollen. Die Atmosphäre hier wahrzunehmen, einen Kaffee zu trinken und etwas Gebäck zu essen, ist für manchen das Einzige, das zunächst möglich ist. „Natürlich darf auch hier geweint werden“ zeigt Beate Drolshagen auf ein Päckchen hübsche Papiertaschentücher, das immer bereit stehen. Für die Zusammenkünfte im Fachwerkhaus hat sich eine klare Struktur als hilfreich bewährt. „So entzünden alle Teilnehmer am Anfang jeweils eine Kerze in Erinnerung an ihren verstorbenen Angehörigen. Außerdem lesen wir einen kleinen Text vor, der es den Besuchern leichter macht, in die Gesprächsrunde einzusteigen. Oft ergeben sich dann auch Dialoge in Zweier- oder Dreiergruppen. Manchmal - falls die Trauersituation dies erfordert -reden wir auch einzeln mit Besuchern“. „Wir begleiten nur“ sind sich Beate Drolshagen und Eva-Regina Kuhn einig. „Wir regen den Austausch untereinander an und freuen uns, wenn alle voneinander profitieren.“
Neuer Anfang
Es ist nicht überraschend, dass im Trauercafé seit seinem Bestehen 2005 schon viele Bekanntschaften und Freundschaften entstanden sind. Selbst Partnerschaften haben hier ihren Anfang genommen, berichten die beiden engagierten Frauen schmunzelnd. „Im Idealfall begleiten wir Menschen eine Zeitlang und unterstützen sie, am Ende ihre Trauer umzuwandeln in neuen Lebensmut“. Dass manche dafür kürzere und andere längere Zeit benötigen ist nicht überraschend. Vor allem ältere Menschen kommen darum schon über Jahre ins Café. Jüngere sind oft in ihrem Beruf und anderen Alltagszwängen eingebunden, so dass sie schneller wieder in ihren Alltag zurück finden. Auch nutzt diese Altersgruppe häufiger das Tagesseminarangebot, das sich kreativ mit der Trauer befasst. Malen, Specksteinbearbeitung oder auch Grabschmuck-Basteln gehört dazu. Die älteren Café-Besucher spüren oft eine drückende Einsamkeit, der sie sich durch den Verlust ausgesetzt sehen und mit dem regelmäßigen Besuch im Trauercafé entgegen treten.
Guter Besuch
Weit über Hamm hinaus aus Drensteinfurt, Ahlen, Werne, Bergkamen und Werl kommen die Besucher mittlerweile zu den Treffen, und mit durchschnittlich 10 Teilnehmern ist das Trauercafé stets sehr gut besucht. „Selbst Psychologen, Ärzte und auch Bestatter empfehlen mittlerweile unser Angebot“ sind Drolshagen und Kuhn ein wenig stolz. „Unser Team besteht aus neun Ehrenamtlichen, die komplett eine Weiterbildung als Sterbebegleiter haben. Zur Zeit erwerben zwei Helfer eine Zusatzqualifikation in einem Befähigungskurs Trauerbegleitung im TID e. V. (TrauerInstitut Deutschland, Bonn).
Die Fianzierung
Diese fachliche Qualifikation der Mitarbeiter finanziert komplett der Förderverein Hospiz Hamm e.V., der mit mittlerweile weit mehr als 700 Mitgliedern ein großer Förderverein in Hamm ist. „Auch das Trauercafé-Angebot ist für unsere Besucher kostenlos“ merken die beiden Trauerbegleiterinnen an. „Es ist uns wichtig, dass niemand aufgrund etwaiger Kosten von der Teilnahme am Trauercafé ausgeschlossen wird. Wir würden uns wünschen, dass Angebote wie unseres von Krankenkassen mitfinanziert würde.“
Übrigens: Das <link internal-link>Trauercafé findet jeden ersten Mittwoch und dritten Donnerstag im Monat von 16 bis 18 Uhr im Fachwerkhaus „Am Roten Läppchen“ statt. Kinder können während dieser Zeit betreut werden.
Außerdem können Sie für einen Jahresbeitrag von 10 Euro im <link internal-link>Förderverein Hospiz Hamm e.V. Mitglied werden.