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DIE ANFÄNGE

Eine Religionsstunde stößt etwas an...

Wer hätte geahnt, dass die Bemerkung eines Berufsschülers solch eine große Bewegung auslösen würde. Es war in einer Religionsstunde Mitte der 80er Jahre. Pfarrer Paul Blätgen, Schulpfarrer des Ev. Kirchenkreises, diskutierte mit seinen Schülern über Euthanasie, Sterben und Tod. "Die Euthanasie wäre kein Thema, wenn es genügend Hospize gäbe", warf ein Junge ein. Diese klare Feststellung überraschte Pfr. Blätgen, machte ihn nachdenklich und löste Neugierde aus, sich näher mit dem Hospiz-Gedanken zu beschäftigen. Er hatte bis dahin von einer solchen Einrichtung nur wenig gehört, wollte der Sache aber auf den Grund gehen und informierte sich umfassend in der Literatur.

Mit dem Freundeskreis fing es an

Je tiefer er in die Problematik eindrang, umso wichtiger wurde ihm auszuloten, welche Möglichkeiten der Realisierung sich auch in Hamm böten. Im Pfarrkonvent des Kirchenkreises Hamm wurde das Thema Hospiz Ende 1990 aufgegriffen, ein Referent gesucht und gefunden.

Wie ein Steinwurf im Wasser Kreise zieht, so verbreitete sich auch die Idee und der Wunsch, in Hamm ein Hospiz zu gründen. Am 2. Januar 1992 lud der Kirchenkreis alle an der Hospizbewegung und Begleitung Schwerkranker Interessierten mit folgenden Worten ein: 

"Nachdem wir in vielen Vorgesprächen über mögliche Konkretionen der sog. Hospizbewegung im Bereich Hamm miteinander nachgedacht haben, halten wir es nunmehr für sinnvoll, den Kreis der Interessierten zu einem ersten Treffen zusammen zu rufen. Dabei wird u.a. darüber nachzudenken  sein, welche Organisationsform wir uns geben wollen und wie die nächsten Schritte aussehen sollen. Wir wollen uns treffen am Dienstag, 28. Januar 1992 um 19.00 Uhr in der Cafeteria des Altenheims St. Victor in Hamm-Herringen."

In dieser ersten Zusammenkunft unter Leitung von Superintendent Ernst-August Draheim, Gustav Keinemann (Architekt und Herringer Kirchmeister) und Pfarrer Paul Blätgen, an der 19 Interessierte teilnahmen, wurde als wesentlich die Konzeption eines Hospizes sowie eines ambulanten Hospizdienstes für Hamm festgehalten. Die Anwesenden waren einstimmig der Meinung, dieses Gesamtkonzept in Angriff zu nehmen. Gespräche mit dem Perthes-Werk, dem Planungsamt und der Herringer Bezirksvertretung wurden vereinbart.

Am 16. März 1992 fand die offizielle Gründung eines Freundeskreises Hospiz Hamm statt!

Als Ziele und Aufgaben für den Freundeskreis wurden benannt:

  1. Informationssammlung und Übermittlung zum Thema "Zu Hause sterben"
  2. Kontaktaufnahme zu Ärzten, Ärztekammer usw.
  3. Erarbeitung von Konzepten zur Verzahnung der Arbeit von Hospiz, Diakonie, Caritas, AWO usw.
  4. Suche nach ehren- und hauptamtlichen Mitarbeitern und deren Begleitung
  5. Arbeit mit Angehörigen
  6. Begleitung und Unterstützung der Erstellung eines Hospizes in Herringen und spätere Begleitung der dortigen Arbeit.

Die offizielle Gründung des Freundeskreises war damit vollzogen, und die praktische Arbeit begann:

  1. Empfehlung an den Kreissynodalvorstand des Kirchenkreises Hamm, das notwendige Grundstück für ein stationäres Hospiz zu erwerben
  2. Bauplanrechtliche Bestätigung, ein Haus  mit ca. 40-50 Betten zu errichten
  3. Anfrage an das Perthes-Werk, die Trägerschaft zu übernehmen - unter der Voraussetzung, dass ein entsprechendes Grundstück verfügbar ist, ein Zuschuss von 10 % der Gesamtinvestitionen beschafft werden könne und das Perthes-Werk Münster als Eigentümer zur Verfügung stünde.

Der Hospizgedanke wird konkret

In den folgenden unregelmäßig stattfindenden Zusammenkünften wurden Gäste eingeladen, die aus verschiedenen Blickwinkeln zum Thema informierten und neue Impulse gaben. Daneben sahen sich einige Vertreter des Freundeskreises andere Einrichtungen von stationären Hospizen an oder besuchten den 2. Dt. Palliativkongress in Bremerhaven. Darüber hinaus wurde man beim Ministerium für Arbeit, Gesundheits und Soziales (MAGS) sowie beim Landschaftsverband Westfalen vorstellig, um mögliche Finanzierungsfragen und Genehmigungsverfahren zu klären.

Obwohl der Freundeskreis alles daran setzte, so rasch wie möglich die Idee eines stationären Hospizes zu verwirklichen, vergingen die Jahre ohne konkretes Ergebnis.

Eine herbe Enttäuschung

Ende 1994 schienen die Planungen soweit voran getrieben, dass ein Baubeginn unmittelbar bevorstand. Der Herringer Kirchmeister von St. Viktor und Architekt Gustav Keinemann und Pfr. Paul Blätgen besuchten den Landschaftsverband Münster, um den Planungsstand vorzustellen. Gebaut werden sollte ein Erweiterungsbau am bestehenden Seniorenheim St. Viktor mit einer gesonderten Etage "Stationäres Hospiz Hamm". Das Gespräch verlief einvernehmlich und endete mit der Zusage, zum Jahresende dem Perthes-Werk als Träger den Bewilligungsbescheid zuzustellen.

Anfang Januar 1995 jedoch war von der Landesregierung mit Wirkung zum 1.1.95 beschlossen worden, dass Hospize nicht mehr in wirtschaftlichen, organisatorischem oder sonstigem Zusammenhang mit anderen Einrichtungen erstellt werden dürfen! Der erwartete Bewilligungsbescheid für das geplante Hospiz war somit ausschließlich ein Bewilligungsbescheid für einen Erweiterungsbau des Seniorenheimes St. Viktor II OHNE Hospiz. Als die örtliche Presse meldete, dass ein Hospiz dennoch gebaut würde, erfolgte eine Rüge aus Münster und die Rücknahme des bisherigen Bewilligungsbescheides wurde für den Fall angedroht, dass weiterin Planungen für ein Hospiz im Zusammenhang mit dem Seniorenheim betrieben würden.

Damit war dieses Projekt hinfällig und die Enttäuschung sehr groß! Nachverhandlungen blieben ohne Erfolg und die Initiatoren standen ratlos und mit leeren Händen da.

Im Juni 1998 wurden die Miglieder des Freundeskreises über den Sachstand informiert: Obwohl der Bau eines stationären Hospizes in weite Ferne gerückt war, formulierte man damals den Willen, den bereits aufgebauten (ehrenamtlichen) Hospizdienst Hamm organisatorisch an das Haus St. Vikor anzubinden. "Die mittlerweile 35-40 Mitarbeiterinnen brauchen solche Unterstützung dringend" war im damaligen Protokoll festgehalten.

Bilanz

In einer Zusammenkunft des Freundeskreises am 8. Dezember 1999 zog Pfr. Paul Blätgen folgende Bilanz:

"Es ist festzuhalten, dass das Ziel des Freundeskreises auf dem Gelände An den Kirchen in Herringen ein Hospiz zu bauen bzw. in den Räumlichkeiten eines Altenheimes zu betreiben, nicht verwirklicht werden konnte. Seit Sommer 1999 ist endgültig gesetzlich festgelegt, dass Hospize in keinem räumlichen und wirtschaftlichen Zusammenhang mit einer anderen Einrichtung stehen dürfen. .... Wir müssen uns daher eingestehen, dass die Planungen in diese Richtung nicht aufgegangen sind..."

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